eine
biographische Notiz
und zwei weitere kleine Sammlungen:
[1] und
[2].
Es ist Unsinn
Es ist Unglück
Es ist lächerlich
An Dich denken
Denken können
Dich bedecken
Später
Gesetzt ich verliere Dich
Was würde ich wählen?
Ich wäre sinnlos vor Glück
Nicht nichts
Nicht nichts
Nicht nichts
Vielleicht nicht nichts
Der erste Tag war leicht
Von Tag zu Tag schwerer:
Nach diesem siebenten Tag
Ich habe Dich so lieb
ob ich mich fürchte zu sehen
Wozu mich noch waschen
wozu noch helfen wollen
Vielleicht doch weil es Dich gibt
Quelle:
Was es ist
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
An Dich denken
und unglücklich sein?
Wieso?
ist doch kein Unglück
und denken können
an Dich:
an Dich
wie Du bist
an Dich
wie Du Dich bewegst
an Deine Stimme
an Deine Augen
an Dich
wie es Dich gibt --
wo bleibt da
für wirkliches Unglück
(wie ich es kenne
und wie es mich kennt)
noch der Raum
oder die Enge?
Nachtgedicht
nicht mit Küssen
nur einfach
mit Deiner Decke
(die Dir
von der Schulter
geglitten ist)
daß Du
im Schlaf nicht frierst
wenn Du
erwacht bist
das Fenster zumachen
und Dich umarmen
und Dich bedecken
mit Küssen
und Dich
entdecken
Meine Wahl
und habe dann zu entscheiden
ob ich Dich noch ein Mal sehe
und ich weiß:
Das nächste Mal
bringst Du mir zehnmal mehr Unglück
und zehnmal weniger Glück
Dich wiederzusehen
Ohne Dich
ohne Dich
aber nicht dasselbe
ohne Dich
aber vielleicht weniger
aber weniger
und weniger
ohne Dich
aber nicht mehr viel
Trennung
der zweite Tag war schwerer
Der dritte Tag war schwerer als der zweite
Der siebente Tag war so schwer
daß es schien er sei nicht zu ertragen
sehne ich mich
schon zurück
Grenze der Verzweiflung
daß ich nicht mehr weiß
ob ich Dich so lieb habe
oder ob ich mich fürchte
was ohne Dich
von meinem Leben
noch am Leben bliebe
wozu noch gesund werden wollen
wozu noch neugierig sein
wozu noch schreiben
wozu aus den Strähnen von Lügen
und Greueln noch Wahrheit ausstrählen
ohne Dich
und weil es noch Menschen
wie Du geben wird
und das auch ohne mich
Erich Fried: Liebesgedichte
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
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